Keine Umsatzsteuererm├Ą├čigung f├╝r Bindung selbst gefertigter Bilder durch einen Fotografen zu einem Fotobuch - Behandlung als Gesamtleistung

25.04.2018

Die Leistungen eines Fotografen fallen auch dann nicht unter ┬ž 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i. V. m. Anlage 2 lfd. Nr. 49, wenn er die Bilder mittels Klemmlasche zu einem "Fotobuch" bindet; dies gilt auch f├╝r Zeitr├Ąume vor dem 1. Januar 2017.

Mit Beschluss vom 2. Februar 2018 hat das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht entschieden, dass die Ums├Ątze eines Fotografen nicht unter ┬ž 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i. V. m. Anlage 2 lfd. Nr. 49 (B├╝cher, Zeitungen etc.) fallen - und zwar auch dann nicht, wenn er die Bilder mit einer Klemmlasche zu einer Art "Fotobuch" bindet.

Die Kl├Ągerin betrieb ein Fotostudio. F├╝r die streitgegenst├Ąndlichen Leistungen f├╝hrte sie in den ├Âffentlich zug├Ąnglichen R├Ąumen anderer Gesch├Ąftsleute (z. B. in Modegesch├Ąften) Fotoshootings durch. Das Team der Antragstellerin kam dazu mit entsprechender Ausr├╝stung in die R├Ąumlichkeiten; es frisierte, schminkte und fotografierte die Kunden in den Gesch├Ąftsr├Ąumen vor verschiedenen Kulissen und mit unterschiedlicher Beleuchtung. Anschlie├čend wurden die Bilder gemeinsam angeschaut, und die Kunden konnten sich individuell ein Bild oder mehrere Bilder aussuchen. Die Fotos wurden ausgedruckt und als "Fotobuch" - mit einer Klemmlasche verbundene, jederzeit herausnehmbare Bilder - an die Kunden gegen Entgelt ├╝bergeben.

Das Gericht entschied, dass die Voraussetzungen des ┬ž 12 Abs. 2 UStG nicht erf├╝llt waren; insbesondere erbrachte die Antragstellerin bei summarischer Pr├╝fung keine Leistungen i. S. d. ┬ž 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i. V. m. der Anlage 2 lfd. Nr. 49. Diese auf Lieferungen anwendbare Vorschrift greife - ungeachtet der Frage, wie die von der Antragstellerin ausgeh├Ąndigten Werke bei isolierter Betrachtung zu qualifizieren seien - bereits deshalb nicht, weil die Antragstellerin ihren Kunden gegen├╝ber jeweils ein B├╝ndel von Leistungen erbracht habe, welches sich als einheitliche (sonstige) Leistung sui generis (┬ž 3 Abs. 9 UStG) und nicht als Lieferung (┬ž 3 Abs. 1 UStG) darstelle. Vertrauensschutzgesichtspunkte zugunsten der Antragstellerin seien nicht - auch nicht im Hinblick auf das BMF-Schreiben vom 20. April 2016 (BStBl I 2016, 483) - zu ber├╝cksichtigen.

Der Beschluss ist rechtskr├Ąftig.

(FG Schleswig-Holstein, Mitteilung vom 29.03.2018 zu Beschluss vom 02.02.2018 - 4 V 150/17)