Schätzung der sicher beruflich veranlassten Aufwendungen auf einer Firmenfeier

11.07.2019

Bestehen nach Aussch√∂pfung der im Einzelfall angezeigten Ermittlungsma√ünahmen keine gewichtigen Zweifel daran, dass ein abgrenzbarer Teil von Aufwendungen beruflich veranlasst ist, bereitet seine Quantifizierung aber Schwierigkeiten, so ist dieser Anteil unter Ber√ľcksichtigung aller ma√ügeblichen Umst√§nde zu sch√§tzen.

Das hat der BFH best√§tigt und pr√§zisiert, dass dies auch dann gilt, wenn im Rahmen eines Kanzleifests (sog. Herrenabend) Mandanten, potenzielle Neu-Mandanten und Gesch√§ftsfreunde eingeladen werden, sich aber weder abschlie√üend beurteilen l√§sst, welche der eingeladenen Personen auf der Feier tats√§chlich erschienen sind, noch aufgrund der zahlreichen pers√∂nlichen und gesch√§ftlichen Beziehungen zu den eingeladenen G√§sten abschlie√üend beurteilt werden kann, bei welchem Gast von einer √ľberwiegend beruflich veranlassten Einladung auszugehen ist.

Das erstentscheidende FG D√ľsseldorf (Urteil vom 31.7.2018, Az. 10 K 3355/16 F, U) hatte die Aufteilung wie folgt berechnet:

Es traf die Feststellung, dass nach den Einladungslisten und einer Durchschnittsbetrachtung 55 % der eingeladenen G√§ste Mandanten der Kl√§gerin, zwischen 6 bis 8 % der eingeladenen G√§ste potenzielle Neu-Mandanten und 38 bis 40 % der G√§ste Gesch√§ftskontakte gewesen seien. Weiter hat das FG dargelegt, eine genaue Quantifizierung der betrieblich veranlasst eingeladenen und tats√§chlich erschienenen G√§ste sei nicht m√∂glich, weil es zwar die Einladungslisten und R√ľckantworten habe auswerten k√∂nnen, aber Teilnehmerlisten nicht gef√ľhrt worden seien. Die Einladung einer nicht unerheblichen Anzahl von Mandanten und Gesch√§ftskontakten hat das FG zumindest auch oder in nicht unerheblichem Umfang als pers√∂nlich veranlasst angesehen, weil diese G√§ste mit einer besonderen pers√∂nlichen Ansprache eingeladen worden seien.

Ankn√ľpfend an diese Feststellungen hat das FG gesch√§tzt, die Aufwendungen f√ľr die Herrenabende seien zur H√§lfte betrieblich veranlasst gewesen und in dieser H√∂he abzugsf√§hig. Es gew√§hrte nur einen h√§lftigen Betriebsausgabenabzug, der niedriger als der festgestellte Anteil der Mandanten, potenziellen Neu-Mandanten und der Gesch√§ftskontakte an den eingeladenen G√§sten war, um den Unsicherheiten, welche G√§ste tats√§chlich anwesend waren und dass G√§ste aus vorwiegend oder nicht unerheblich privaten Gr√ľnden eingeladen worden waren, Rechnung zu tragen.

(BFH, Beschluss vom 21.3.2019 - VIII B 129/18)