Steuerliche Anerkennung von Verlusten aus Knock-Out-Zertifikaten

10.04.2019

Hat ein Steuerpflichtiger in Knock-Out-Zertifikate investiert, die durch Erreichen der Knock-Out-Schwelle verfallen, kann er den daraus resultierenden Verlust nach der seit 1.1.2009 unver√§ndert geltenden Rechtslage im Rahmen seiner Eink√ľnfte aus Kapitalverm√∂gen abziehen. Damit wendet sich der Bundesfinanzhof (BFH) gegen die Auffassung der Finanzverwaltung.

Im Streitfall hatte der Kl√§ger im Streitjahr 2011 verschiedene Knock-Out-Zertifikate erworben, die je nach Kursverlauf der Basiswerte auf Zahlung eines Differenzausgleichs gerichtet waren. Noch w√§hrend des Streitjahrs wurde die sog. Knock-Out-Schwelle erreicht. Dies f√ľhrte zur Ausbuchung der Kapitalanlagen ohne jeglichen Differenzausgleich bzw. Restwert. Das Finanzamt erkannte die daraus resultierenden Verluste nicht an. Die dagegen gerichtete Klage hatte Erfolg.

Der BFH best√§tigte die Entscheidung des Finanzgerichts. Unabh√§ngig davon, ob im Streitfall die Voraussetzungen eines Termingesch√§fts vorgelegen h√§tten, seien die in H√∂he der Anschaffungskosten angefallenen Verluste steuerlich zu ber√ľcksichtigen. Liege ein Termingesch√§ft vor, folge dies aus dem neuen ¬ß 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a des Einkommensteuergesetzes (EStG), der jeden Ausgang eines Termingesch√§fts erfasst. Die gegenteilige Auffassung zur alten Rechtslage sei √ľberholt. Liege kein Termingesch√§ft vor, sei ein Fall der "Einl√∂sung" i.S. des ¬ß 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 i.V.m. Abs. 2 Satz 2 EStG gegeben. Diese Auslegung sei aus verfassungsrechtlichen Gr√ľnden geboten, um die Steuerlast am Prinzip der finanziellen Leistungsf√§higkeit und dem Gebot der Folgerichtigkeit auszurichten.

Das Urteil ist eine Fortsetzung der Rechtsprechung des BFH, dass seit Einf√ľhrung der Abgeltungssteuer grunds√§tzlich s√§mtliche Wertver√§nderungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen zu erfassen sind und dies gleicherma√üen f√ľr Gewinne und Verluste gilt (vgl. Urteil vom 24. Oktober 2017 VIII R 13/15, BFHE 259, 535 zum insolvenzbedingten Ausfall einer privaten Darlehensforderung).

(BFH, Pressemitteilung Nr. 14 vom 13.3.2019 zu Urteil vom 20.11.2018 - VIII R 37/15)